SZENENWECHSEL – Landtag Mainz  - 2014

 

Alles hängt irgendwie zusammen, ist miteinander verbunden. Ulla Faber bringt uns durch ihre Malweise dazu, langsamer und offener zu schauen, die Verbindung durch Interpretation selbst zu finden, denn es geht hier nicht um das Knacken eines Rätsels oder um die einzig richtige Lösung. Die Malerin macht ein visuelles Angebot für diejenigen, die sich darauf einlassen mögen: Hinsehen, behutsam darüber nachdenken, ob es einen kümmert - und dann erst Schlüsse ziehen. Die Bilder, die von außen auf uns zu kommen und diejenigen, die in unserem Kopf entstehen, sind das nachhaltige Ziel der Künstlerin.

 

Einiges lässt sich auf den Bildern von Ulla Faber sofort entdecken, anderes braucht einen Moment des Nachdenkens. Die Themen drängen sich nicht auf, die Bilder entwickeln eine malerische, farbliche Schönheit. Ihr ausgeprägtes Gefühl für kompositorisches Gleichgewicht zeigt dann auf den zweiten Blick durchaus noch etwas ganz anderes: Zerbrechendes, nur schwach geschützte und verhüllte, versehrte Figuren, dystopische Landschaften und geschichtete, labile Räume.

Die Ernsthaftigkeit der Anteilnahme der Malerin zeigt sich darin, dass sie nicht einfach der Bilderflut weitere hinzufügt, sondern lange an dieser Balance zwischen der Schönheit des Mediums und dem innewohnenden Schrecken arbeitet, keine schnell hin gepinselten Würfe macht. Die Künstlerin setzt dem schnellen Blick einen langsamen entgegen – sie setzt einen Denkanker im Meer der Bilder.

 

Die künstlerischen Arbeiten von Ulla Faber bringen einerseits die irritierende Erfahrung hervor, dass unschöne Wahrheiten nicht zwangsläufig unschön aussehen müssen und daher von uns oft nicht bemerkt werden. Zum anderen verändern sie vielleicht ein wenig unseren Bilder-Konsum, in dem sie uns, wenn wir langsamer schauen, mehr von den Dingen hinter den Bildern erzählen. Wenn die Kunstwerke hier diese Wirkung haben sollten, ist dies genau die Möglichkeit, die engagierte Kunst haben kann und damit eine der möglichen Antworten auf die Frage, warum wir das alles machen.

 

Prof. Tina Stolt, Landau